Olympia Resümee

Svenja Weger Laser Radial DSV LarsWehrmann3Über die Olympischen Sommerspiele in Tokio wurde und wird bis heute viel diskutiert. Über die Durchführung in Pandemiezeiten und
das ganze Drumherum kann auch gestritten werden. Unbestritten ist aber, dass (wohl nicht nur) Segeldeutschland gefesselt war, Wecker gestellt und Anfeuerungen in Richtung Bildschirm gerufen - und am Ende triumphiert hat. Auch wir in Berlin blicken stolz auf die vergangenen Wochen zurück.

Da war der fulminante Auftakt von Svenja Weger (PYC) im Laser Radial, die ihr Olympiadebüt mit einem Tagessieg zum Start kürte. Leider konnte sie die Gesamtführung in den nächsten Tagen nicht halten, rutschte im Gesamtklassement etwas nach hinten, blieb die ganze Zeit aber innerhalb oder wenigstens in Sichtweite der Top Ten. „Ich bin super eingestiegen, davon war ich selber etwas überrascht und hab mich schwer getan, damit umzugehen“ sagt Svenja rückblickend. „Nach dem Ruhetag bin ich wieder zufrieden, wie ich gesegelt bin. Die eine nicht so gute Wettfahrt war immer noch OK für die Bedingungen. Da konnte man nicht erwarten, dass alles passt.“ meint Svenja. Aus ihrer Sicht lag der Knackpunkt schon früh im Wettkampf: „Eingeschenkt hab ich mir am zweiten Tag, wo ich nicht eine gute Wettfahrt gefahren bin. Das wär wichtig gewesen, dann hätte ich schon in Richtung Medalrace fahren können“ sagt Svenja und räumt aber auch ein: „Vorne sind bei uns immer noch die Leute dominant, die jetzt zum zweiten oder dritten Mal bei den Spielen sind. Da wärs eh schwer gewesen. Trotzdem bin ich jetzt nicht gänzlich unzufrieden, aber auch nicht hundertprozentig zufrieden.“

Svenja Weger Laser Radial Olympia DSV Sailing EnergyOb diese Erkenntnis, dass Seglerinnen mit Olympia-Erfahrung weiter vorne gesegelt sind, sie zu einer weiteren Olympia-Kampagne motiviert, ist für Svenja kurz nach den Spielen noch nicht sicher. „Über die Frage muss ich mindestens noch ein paar Nächte schlafen. Einerseits bin ich schon ein bisschen enttäuscht, wie es zu Ende gegangen ist, andererseits hab ich gesehen, dass Potenzial da ist, ganz vorne mitzufahren“ sagt Svenja.

So oder so: Wir sind gespannt auf deinen weiteren Weg, Svenja. Und einen Tag lang im gelben Trikot der Gesamtführenden zu segeln und am Ende Olympia mit Platz 16 von 44 abzuschließen, war zwar knapp am Medalrace vorbei, aber immer noch weit entfernt vom tröstenden Motto „Dabei sein ist alles!“

Erik Heil Thomas Ploessel Siegerpose DSV Sailing EnergyAn eben diesen Spruch hatten Erik Heil und Thomas Plößel (beide TSC) nach der letzten Wettfahrt vielleicht schon gerade einen Gedanken verloren, als der Fotograf sie zu Jubel-Bildern animierte. Die beiden hatten ihren dritten Platz erst gar nicht auf dem Schirm. "Wir waren sicher, dass es nicht gereicht hat", sagte Erik später im Interview. „Wir dachten wir brauchen fünf Boote zwischen uns und den Spaniern und haben aber nur vier gezählt. Als der Fotograf uns nach zehn Minuten zum Feiern aufgefordert hat, waren wir ziemlich sicher, dass das eigentlich die Spanier machen müssten. Aber dann dachten wir uns: „na gut, wenns dann falsch ist haben wir wenigstens gute Bilder“.“ Wenn man es weiß, sieht man diese leichte Ungläubigkeit auch noch in ihren Gesichtern. Doch es stimmte: Mit der besseren Platzierung im Medalrace rutschten Erik und Thommi von Platz vier mit zehn Punkten Rückstand doch noch vor Diego Botín und Iago López Marra.

Erik Heil Thomas Ploessel Bronzemedaille DSV Sailing Energy"Wir wollen eine schönere Medaille gewinnen als in Rio“ hatte Erik noch vor den Spielen gesagt. Es ist wieder Bronze geworden - und trotzdem sind beide glücklicher als mit dem dritten Platz bei den Spielen 2016. "Ich freue mich unfassbar und zehnmal mehr als damals", sagt Thomas Plößel, denn diese Medaille war härter erkämpft als noch vor fünf Jahren: "Ich war ein bisschen zittrig, aber ich konnte es gut kontrollieren. Das Rennen war sehr aufregend, der Tunnel war schon massiv.“ berichtet Thommi.

Segeldeutschland hatte an diesem Tag aber noch mehr Grund zur Freude: War die Bronzemedaille vom Team Heil/Plößel 2016 noch das einzige Edelmetall für die deutschen Seglerinnen und Segler, hat das German Sailing Team dieses Jahr ein Triple geschafft: Tina Lutz und Susann Beucke konnten sich im 49er FX Silber sichern, Alica Stuhlemmer und Paul Kohlhoff im Nacra17 ebenfalls Bronze.

Einen „historischen Tag für den deutschen Segelsport“ nennt das auch ZDF-Sportexpertin Katrin Müller-Hohenstein, als alle drei Teams am Abend bei ihr im Studio sind. Das Interview gibts hier noch zum Nachschauen in der Mediathek: https://www.zdf.de/sport/olympia/segeln/segeln-studiogespraech-tokio-2020-100.html

Screenshot ZDF sportstudioInzwischen sind alle Seglerinnen und Segler wieder zurück in Deutschland und hier am Flughafen gebührend gefeiert worden. Auch wir gratulieren allen Olympia-Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch einmal herzlich. Danke für viele aufregende Momente, die wir in Deutschland in aller Herrgottsfrühe über Live-Tracker und Streams verfolgen konnten.

 

 

Bildrechte: Sailing Energy, Lars Wehrmann und ZDF

© 2021 Berliner Segler-Verband e.V.

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